AMYGDALA, wenn der Körper stärker ist als der Geist

Amygdala ist eine Musiktheatervorstellung des 'Nieuw Muziektheater Rotterdam' im Rahmen der Rotterdammer Operntagen 2010. Das Libretto vom Rotterdammer Dichter Peter Swanborn handelt von einem Mann, der sein Gedächtnis verlor. Rita Knuistingh Neven komponierte die Musik auf der Grenze zwischen Geräusch und Gesang, Noise und Flatline, Rock und Lyrismus.
Ein Mann wacht auf. Er ist eingesperrt und hat sein Gedächtnis verloren. Er weiss nicht mehr, wer oder wo er ist. Er wird von Verzweiflung befallen und spürt bald, dass er nicht allein ist. Er schnappt menschliche Geräusche auf: Atemzüge, Stimmen. Als er zwei Frauen über sich flüstern hört, versucht er sie zu überreden, die Tür auf zu machen. Sie sagen, dass er nicht ahnt was er da verlangt.
Immer mehr Leute mischen sich ein: seine Gattin, seine Freundin, unterschiedliche Bekannte. Er regt sich auf, bis er die Stimme seines jung gestorbenen Sohns hört. Dann fürchtet er sich und fragt sich ob er selber überhaupt noch am Leben ist. Was wollen all diese Gestalten von ihm? Warum machen sie nicht einfach die Tür auf? Sind ihre Aussagen reell oder erdenkt er sie selbst? Ist er an irgend etwas Schuld? Schließlich realisiert er sich, daß 'die Tür' die Wahl zwischen Weiterleben ohne Erinnerungen oder Sterben ist.
Der Titel der Vorstellung verweist auf ein Kerngebiet des Gehirns im medialen Teil des Temporallappens. Die Amygdala tritt jeweils paarig auf und ist Teil des Limbischen Systems. Sie ist wesentlich an der Entstehung der Angst beteiligt und spielt allgemein eine wichtige Rolle bei der emotionalen Bewertung und Wiedererkennung von Situationen sowie der Analyse möglicher Gefahren: sie verarbeitet externe Impulse und leitet die vegetativen Reaktionen ein. Eine Zerstörung beider Amygdalae führt zum Verlust von Furcht- und Aggressionsempfinden und so zum Zusammenbruch der mitunter lebenswichtigen Warn- und Abwehrreaktionen.

Textbuch zur Vorstellung (grafische Gestaltung: www.werkraum3149.com)